Rohstoffwende jetzt: Führende deutsche Recyclingunternehmen fordern Nationalen Rat Recycling

Rohstoffwende jetzt: Führende deutsche Recyclingunternehmen fordern Nationalen Rat Recycling

Deutschland muss nach Auffassung der beiden führenden inländischen Metallrecycler Scholz und TSR dringend die Rohstoffwende einleiten. Trotz hoher Sammelquoten werde in Deutschland zu wenig recycelt. Schätzungsweise weniger als ein Fünftel der Rohstoffe in der deutschen Industrie komme aus wiederverwertetem Material, heißt es in einem Positionspapier beider Unternehmen. Sie fordern darin die Politik auf, einen Nationalen Rat für Recycling zu schaffen. Dieser soll dazu beitragen, die enormen Umweltschutzpotenziale durch mehr Recycling zu heben.

„Wir müssen als führende Industrienation mehr Verantwortung für die Umwelt übernehmen und mit knapper werdenden Rohstoffen sinnvoller haushalten. Das geht nur mit effektivem Recycling und einer konsequenten Kreislaufwirtschaft“, erklärte Klaus Hauschulte, Geschäftsführer der Scholz Recycling GmbH. Vor allem, weil die deutsche Industrie zu großen Teilen von Rohstoffimporten abhängig sei – bei Metallen sogar zu 100 Prozent. „Allein deshalb müssen wir einmal zu uns gelangte Rohstoffe im Land halten und sie wiederverwerten“, fügte er hinzu.

Schon beim Entwurf von neuen Produkten müsse an die Recyclingfähigkeit gedacht werden (Foto: Scholz)

Beide Unternehmen forderten die Politik auf, Recycling als gesamtstaatliche Aufgabe zu begreifen und mit allen Beteiligten entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Bernd Fleschenberg, Geschäftsführer der TSR Recycling GmbH & Co. KG, sagte: „Die Wiederverwertbarkeit von Rohstoffen muss schon bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden. Deshalb muss zwingend die Ökodesign-Richtlinie angepasst werden.“ Denn gerade neuentwickelte Verbundstoffe ließen sich selbst in hoch modernen Recyclinganlagen nur schwer bis gar nicht trennen und wiederaufbereiten. Schon beim Entwurf von neuen Produkten müsse deshalb an die Recyclingfähigkeit gedacht werden.

Auf nationaler Ebene sei eine engere Verzahnung von Industrie, Wissenschaft und der Recyclingbranche notwendig. „Deshalb schlagen wir die Gründung eines Think Tanks vor. Ein runder Tisch, an dem alle Akteure gemeinsam nachhaltige Lösungen ausarbeiten und der als wichtiges Beratergremium für den Nationalen Rat Recycling verstanden werden sollte“, so Fleschenberg.

Ziel von Scholz und TSR ist eine engere Rohstoffpartnerschaft zwischen Industrie und Recyclingunternehmen. Denn trotz hoher Recyclingquoten werden zu wenig gesammelte Rohstoffe tatsächlich durch die Industrie wiedereingesetzt. Dabei können Metalle wie Kupfer, Eisen oder Aluminium immer wieder in hoher Qualität eingesetzt werden.

Das Problem, so die beiden Recycler: Im Vergleich zu Primärrohstoffen seien Recyclingrohstoffe oft teurer. Die strengen Umweltauflagen in Deutschland bei Transport, Lagerung, Aufbereitung und geschultem Personal seien häufig mit Mehrkosten verbunden. Doch spart Recycling im Vergleich zum Abbau von Rohstoffen in der Natur in einem erheblichen Maße Energie und CO2 ein. Beim Aluminiumrecycling bedeutet das eine Ersparnis von 94 Prozent bei Energie und 83 Prozent bei CO2-Emissionen. Auch bleiben mit dem Recycling Rohstoffe im Land verfügbar, die die Importabhängigkeit senken.

Deshalb, so die beiden Recyclingunternehmen, müsse auch die Bundesregierung Forschungsprojekte im Bereich Recycling zusätzlich unterstützen, um zu innovativen und zugleich nachhaltigen Lösungen zu kommen.

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