11. Juli 2017 | Branche, Technologie

5. Engineering Summit: Aufbruchstimmung im VDMA Großanlagenbau

„Der deutsche Großanlagenbau genießt aufgrund seiner Problemlösungskompetenz weltweit hohes Ansehen. Um diese Stärke zu erhalten und weiter auszubauen, müssen wir unsere Mitarbeiter noch stärker in den Fokus rücken und sie durch Weiter- und Neuqualifizierungen fit für die Herausforderungen der Zukunft machen.“ Diese Handlungsempfehlung gab Christian Bruch, Mitglied des Vorstands der Linde AG, den Teilnehmern des 5. Engineering Summit im Rahmen seiner vielbeachteten Keynote. Die Tagung, an der mehr als 300 Führungskräfte teilnahmen, fand am 4. und 5. Juli 2017 in Mannheim statt.

Die Vorträge aus der Industrie zeigten eine hohe Veränderungsbereitschaft und vermittelten Aufbruchstimmung im Großanlagenbau. Deutlich wurde, dass die Digitalisierung in der Branche mittlerweile angekommen ist und die Unternehmen die neuen technischen Möglichkeiten als ein Differenzierungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb begreifen.

Diese Einschätzung wird durch die Studie „Potenziale von Industrie 4.0 im Großanlagenbau“ erhärtet, die der VDMA und das Beratungsunternehmen maexpartners auf dem Engineering Summit präsentierten. Demnach bewerten 72 Prozent der Befragten die Chancen, Umsatzsteigerungen durch neue, digitale Produkte und Dienstleistungen zu erzielen, als sehr relevant. 2015 waren erst 50 Prozent der Anlagenbauer dieser Meinung gewesen. Konkrete Beispiele für digitale Lösungen lieferten in Mannheim Savas Lazaridis (thyssenkrupp Industrial Solutions AG), Jörg Winkler (Voith Digital Solutions GmbH) und Markus Reifferscheid, SMS group GmbH. Die Experten verwiesen unter anderem auf digitale Service-Plattformen, die vorausschauende Instandhaltung und die Möglichkeiten, die sich durch die Analyse großer Datenmengen ergeben.

Verstärkt gehen Anlagenbauunternehmen auch Kooperationen mit jungen, innovativen Start-ups ein. Der Anlagenbau verfolgt mit solchen Kooperationen das Ziel, Zugang zu externem Know-how zu erhalten und schneller auf sich bietende Marktchancen zu reagieren. Erste Erfolge eines solchen offenen Organisationsansatzes bestärken die Branche, auf dem richtigen Weg zu sein.

Service gewinnt im Anlagenbau weiter an Bedeutung

Auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern rückt der Anlagenservice immer stärker in den Fokus. Tom Blades, CEO von Bilfinger, und Karl Purkarthofer von Primetals, zeigten eindrucksvoll, welches Geschäftspotenzial betriebsnahe Dienstleistungen für den Anlagenbau bieten und wie der Einsatz moderner Techniken helfen kann, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dass es sich dabei um einen generellen Trend handelt, belegt eine Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA. Demnach liegt der Anteil von Services am Gesamtumsatz im Großanlagenbau mittlerweile bei 16 Prozent. Vor drei Jahren waren es erst 14 Prozent gewesen.

Politik hat die Bedeutung des EPC-Geschäfts erkannt

Nach wie vor steht die EPC-Fähigkeit (Engineering, Procurement and Construction) – also die Übernahme der Gesamtverantwortung für Projekte – ganz oben auf der Agenda des Großanlagenbaus. Dies belegt eine aktuelle Studie, die das Beratungshaus PwC im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums durchgeführt hat und die auf dem VDMA Engineering Summit ebenfalls vorgestellt wurde. Demnach sind 79 Prozent der von PwC befragten Unternehmen weiterhin am EPC-Geschäft interessiert, 44 Prozent bekunden sogar ein zunehmendes Interesse.

 




Anmelden
Abonummer